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Viehscheid in Oberstdorf

Viehscheid


Abschied vom Berg, Volksfest im Allgäu, es ist Viehscheid

Viehscheid in Oberstdorf
Viehscheid in Oberstdorf

Unter den Touristen herrscht große Aufregung. „Wann kommen die Tiere?“ erklingt die Stimme einer in Tracht gekleideten Urlauberin. „Das dauert noch ein bisschen“, beruhigt sie eine Einheimische. Was zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch unter den Hirten und Talbewohnern ausgemacht wurde, ist im Zuge der Motorisierung und des Tourismus eine Attraktion geworden, der Viehscheid.

Nach einem rund hunderttägigen „Sommerurlaub“ auf den Alpen müssen die Tiere Abschied vom Berg nehmen und in die Täler zurückwandern. Dort werden sie nicht nur von ihren Besitzern, sondern von Besuchern aus nah und fern erwartet. Manch einer reist extra wegen des Alpabzuges ins Allgäu. Am Scheidplatz findet heutzutage ein großes Fest statt. Im Festzelt mit Blasmusik und Jahrmarkttreiben werden die Tiere und ihre Hirten in vielen Orten gefeiert. Der Name Viehscheid kommt übrigens daher, dass die Tiere am Scheidplatz aus der Verantwortung des Hirten wieder in die des Besitzers „geschieden“ werden.

Meistens sieht man am Anfang des Alpzuges ein besonders schön gekränztes Rind oder eine Kuh. So darf jedoch nur gekränzt werden, wenn auf der betreffenden Alpe kein Unglück geschehen ist. Sonst muss der Hirte ohne Kranz einziehen. Die Kränze sind handgefertigt und bestehen aus Alpblumen, Zweigen und Verzierungen, darunter auch einem Spiegel auf der Stirn. Der Spiegel weist auf einen alten Glauben hin, nach dem die bösen Geister, die sich im Spiegel erblickten, so sehr erschraken, dass sie davonliefen. Das „Aufkranzen“ geht auf vorchristliche Zeiten zurück. Damals wurden den Kühen Masken aufgesetzt, um sie vor bösen Geistern zu schützen.

Fotostrecke der Viehscheid in Oberstdorf

Fragen und Antworten zum Halsschmuck der Tiere

  • Warum tragen die Tiere im Alltag auf den Weiden eine Schelle um den Hals?
    Damit man sie wieder findet! Die Weiden sind relativ weitläufig, häufig liegen auch noch Berg und Tal dazwischen.
  • Warum trägt das Vieh bei der Viehscheid so große Glocken?
    Seit dem ersten Alpabtrieb, der in der Region etwa um 1900 stattfand, tragen die Tiere traditionell als Festschmuck größere Schellen als auf der Weide. Daher auch die Unterscheidung in Weid- und Zugschellen.
    Mit den großen Schellen laufen die Tiere aber auch besser. Einige sind schon seit Jahren dabei und wissen dann, dass es heimwärts geht.
  • Wann bekommen die Tiere die großen Schellen?
    Die Schellen werden den Tieren erst am Vortag des Viehscheids umgelegt, was bei einer Herde von 100 Stück Vieh entsprechend zeit- und arbeitsaufwändig ist.
  • Was ist der Unterschied zwischen einer Schelle und einer Glocke? Und wer trägt was?
    Die Glocken werden beim Glockengießer gegossen, sie klingen heller. Die Schellen bestehen aus Schwarzblech und werden vom Schellenschmied regelrecht geschmiedet. Sie haben einen eher dumpfen Bassklang. Normalerweise tragen Milchkühe eine Glocke, das Jungvieh bekommt eine Schelle.
    So mancher Alphirte legt sogar besonderen Wert auf das klingende Zusammenspiel und stellt die Schellen des Alpzuges nach diesem Gesichtspunkt zusammen. Die Schellen unterteilen sich in zwei Arten: „Klöpfe“ (eher flach) und „Bumbl“ (bauchig), die dadurch auch verschiedene Grundtöne erzeugen.
  • Wer stellt heute noch Glocken und Schellen her?
    In Bad Hindelang gibt es noch zwei Schellenschmiede. Die Glocken stammen aus der Schweiz oder aus Österreich – da gibt es einen Glockengießer in Schwarzenberg/Vorarlberg und einen in Innsbruck.
  • Was kosten die klingenden Halsketten?
    Die normalen Weidschellen kosten so ab 100 Euro aufwärts. Glocken sind meistens teurer. Für eine große Zugschelle mit einem Durchmesser von 20 Zentimetern muss man bis zu 350 Euro bezahlen. Natürlich spielt auch der Riemen eine Rolle.
Viehscheid in Oberstdorf
Viehscheid in Oberstdorf

Wann und Wo gibt es im Allgäu eine Viehscheid

Wer das besondere Erlebnis einer Viehscheid in sein Urlaubsprogramm einbeziehen will kann im September jeden Jahres im Allgäu zwischen einer Vielzahl von Orten wählen. Der genaue Termin wird immer schon frühzeitig bekannt gegeben und auf den Internetseiten der Orte bekannt gegeben.
Der Viehscheid kann aufgrund extrem schlechter Witterung aber auch verschoben werden. Wenn es bereits früh schneit und das Vieh kein Futter mehr findet, müssen die Tiere bereits früher abgetrieben werden.

Orte mit Viehscheid

  • Oberstaufen
  • Seeg
  • Pfronten
  • Maierhöfen
  • Bad Hindelang
  • Schöllang
  • Oberstdorf
  • Kranzegg
  • Balderschwang
  • Nesselwang
  • Oberstaufen/ Thalkirchdorf
  • Schattwald
  • Schwangau
  • Jungholz
  • Blaichach/ Gunzesried
  • Weitnau/ Wengen
  • Missen-Wilhanns
  • Eisenberg
  • Immenstadt
  • Nesselwängle
  • Wertach
  • Kleinwalsertal
  • Halblech/ Buching
  • Bolsterlang
  • Grän-Haldensee
  • Tannheim
  • Obermaiselstein
  • Oy-Mittelberg

2 Kommentare zu „Viehscheid“

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