Kapelle in Kolofana

Meltemipause in Amorgos

Kapelle in Kolofana
Kapelle in Kolofana

Abschied Crew 1

Dieser Morgen hat es in sich. Am Vorabend hatten wir vereinbart, dass ich noch ein Abschiedsfrühstück zubereite, damit die Jungs die leider abreißen müssen, in Ruhe den Rest packen können. Um sicher zu sein, dass wir auch wirklich wach werden, wurden zwei Handys als Wecker gestellt! Die Fähre verlässt schon sehr früh um 6:00 den Hafen, um ihre Runde durch die kleinen Kykladen zu drehen.Von Geräuschen geweckt, schaue ich auf die Uhr! 6:10 oh Schreck, ein Sprung und schon stehe ich an Deck und sehe zwei belämmerte Gesichter. Die Fähre verlässt soeben ohne meine Kameraden den Hafen. Rolf, welcher noch in der Koje liegt nimmt es mit Fassung, da kann ich sowieso nichts ändern, dreht sich um und schläft weiter. Hans und Eberhard sind schockiert, der Fährenagent hatte uns doch am Vortag klar gesagt, dies ist die einzige Verbindung nach Santorin.Das bedeutet: Der Rückflug mit der Chartermaschine, welche nur einmal pro Woche Santorin anfliegt, kann vergessen werden! Die Rückkehr nach Deutschland wir wohl teuer und ist zeitlich deutlich verzögert nur noch über Athen möglich. Da um diese Zeit sowieso keine Auskünfte zu bekommen sind, beschließe ich in Ruhe Frühstück zu zubereiten, der Bäcker macht soeben auf und wir können auf noch warmes frisches Brot zurückgreifen.Jetzt aber die Frage, wie konnte dies passieren? Redundante Wecker und trotzdem nichts gehört!. Die Erklärung ist einfach, ein Handy war noch auf die MEZ eingestellt, d.h. eine Stunde Versatz zu griechischen Zeit. Ja und Handy Nummer zwei!Da ist der Abschied bei viel Bier und Wein zwecks Vernichtung der Bordbestände wohl zu heftig ausgefallen. Alkohol und eine Bettruhe von nur zwei Stunden haben den Besitzer wohl in einen solchen Tiefschlaf versetzt, dass er das Klingeln als Engelsgeläute aber nicht als Wecker interpretierte. Ergebnis: Alle waren auf einen Schlag stocknüchtern.Nach ausgiebigem Frühstück, welches von Hans und Rolf auf den Kaffee beschränkt wurde – der Schreck hatte den Magen zu sehr belastet- konnten wir uns um Schadensbegrenzung bemühen. Der Gang zum Fähragenten brachte die Welt wieder in Ordnung. Wie sich herausstellte und uns am Vortag nicht gesagt wurde, ging um 13:00 noch eine Fähre. Der Kaufpreis für das neue Ticket konnte unter Anbetracht der sonstigen Konsequenzen leicht verschmerzt werden und die Welt war wieder in Ordnung.Am Abend 18:55 kam dann die SMS: –Hotel ok, problemlose Fahrt, max 5Bft, 1m Welle, Prost aus Santorin- Crew 1 ist wohlbehalten in Santorin angekommen und sie können die Insel jetzt einen vollen Tag genießen.Ab sofort war reichlich Zeit bis zum Abklingen des Meltemi vorhanden. In dem romantischen Hafen ging es nun an die notwendigen Reparaturen.Zur Befestigung der Scheuerleiste hatten wir am Vortag bei dem Motorradverleih bereits in der Bastelkiste einige Schrauben abgestaubt. Unser 2ter Nachbar an der Backbordseite, ein Eignerschiff eines älteren Ehepaars aus der Schweiz, erwies sich schnell als Rettungsstation für alle Sorten von Werkzeug.Wichtigste Maßnahme war jedoch zuerst das Gemeinschaftsunternehmen Landstromanschluss. Im Verbund von drei Schiffen und aller darauf befindlichen Kabel und Adapter konnte die lange Strecke von über 70m bis zur nächsten Steckdose überbrücket werden. Nachdem der Hafenmeister gegen eine Gebühr von 5€/Tag den Anschluss frei geschaltet hatte, waren wir nicht gezwungen den Schiffsdiesel zum täglichen laden der Batterien anzuschmeißen.Am Westkai, welcher Platz für ca. 10 Boote hat, besteht für alle Schiffe Stromversorgung, jedoch nicht für unsere 6 bis 8 Liegeplätze im östlichen Bereich.Nun mit Stromanschluss und einer Bohrmaschine ausgestattet konnte das Loch für die Spax vorgebohrt werden und die Scheuerleiste mit 4 Schrauben befestigt werden.

Bootshaken im Eigenbau
Bootshaken im Eigenbau

Zweite Aktion war die Suche nach einem neuen Bootshaken. Das Glück in Form eines Heimwerkers war mir hold – er bugsierte mit dem Fahrrad ein langes Rundholz durch den Hafen. Die Quelle für das Holz konnte schnell ermittelt werden und oh Wunder, in dem Hafen gibt es doch tatsächlich einen Miniheimwerkermarkt. Eine 3 m lange Holzstange, ein Haken und fertig war ein brauchbarer Bootshaken.Mit dem vorhandenen Bootswerkzeug in mangelhafter Heimwerkerqualität wäre ich sicher aufgeschmissen gewesen. Gut, dass wir es nicht wirklich benötigten. Bei den meisten Charterbooten gilt: Werkzeug kann nachgewiesen werden, die Qualität spielt keine Rolle.Aktion drei war: Aufklaren des Schiffes. Das Boot musste für die Crew 2 vorbereitet werden. Zusätzlich konnte, da im Hafen alle Putzmittel wie Scheuermilch und Scotch Schwamm vorhanden waren, auch Töpfe, Pfannen usw. von den Spuren früherer Mannschaften befreit werden.Zur Entlastung der Ankerwinsch und um geringere Schwingungen im Boot zu haben, sichere ich die Ankerkette durch eine Leine. Ein Schäckel durch die Kette und die Leine auf die Klampe gelegt bringt ein mehr an Sicherheit und Komfort.Im laufe des Tages steuern immer mehr Schiffe den schützenden Hafen an, alle wollen einen sicheren Liegeplatz. Prompt legt an Steuerbord eine Yacht, den Anker quer über meinen. Ich bitte ihn nur abzulegen, wen ich an Bord bin. Zusätzlich sichere ich mir für den Fall das mein Anker ausgerissen wird, schon jetzt die Hilfe der Nachbarn zu.Mein neuer Nachbar, eine französische Familie, will bis zum nächsten Morgen bleiben um danach in die etwas nördlicher gelegene Ankerbucht Ormos Kalotyri hinter der Insel Nikouria zu wechseln. Eine sehr schöne Badebucht, gut geschützt gegen alle Winde.Nachdem der Wassermann meinen Nachbarn bediente, nutze ich diesen Service auch und konnte für 6 € den Tank füllen.Der immer stärker aufkommende Schwell zwingt mich die Bootssicherung durch Verbesserung der Bugleine zum Nachbarn anzupassen. Später liegen wir mit 6 Booten, alle über die Hauptspring des ersten Backbordliegers gesichert, am Kai.Meine Sorge galt nun der Kommunikation mit der nächsten Crew und einer gesicherten Wetterinfo. Das in einer Seitengasse des Hafens gelegene Internet Cafe war die optimale Lösung. Ich konnte Emails schreiben, empfangen und die detaillierten Wetterinfos rund um die Insel abrufen. Die Wetterinfos, welche wir als SMS Service bei Yacht Pool gebucht hatten, waren eindeutig zu ungenau. In den Kykladen sind einige Inseln, unter anderem Amorgos, dem Meltemieinfluss besonderst stark ausgesetzt. Die Seite von Poseidon System bzw. die Webseite von Meteo liefern da deutlich bessere Ergebnisse. Ich kann nur jedem Kykladensegler diese beiden Seiten empfehlen. In graphischer Darstellung erhält man vier Vorhersagen zu Wind und Welle pro Tag.Die Versorgung im Hafen ist super. Neben den schon beschriebenen Servicemöglichkeiten gibt es in Richtung Brücke einen Bäcker mit einem Angebot über welches wir uns in manchem Feinkostgeschäft zu Hause freuen würden. Jeden Morgen nutze ich sein vielfältiges Angebot der verschiedenen Brotsorten und Leckereien.Meine Lieblingstaverne „The Corner“ servierte mir heute als Inselspezialität „Bohnenmuss mit Zwiebeln“ und „Kaninchen mit Tomatensauce“. Das alles zusammen, mit zwei Bier, für 16 Euro. Da kann man nicht meckern. Von der oft beschrieben griechischen Einheitsküche ist dies weit entfernt.Fortsetzung…

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