Ankerbucht Levitha

Kalymnos Ormos Vathy nach Levitha

Der Bäcker kommt am Morgen gegen 8:00 persönlich mit einem großen Sack frischer Brote in die Bucht und bietet seine Ware feil.Da wir am ersten Tag, nicht wie geplant bereits nach Kalymnos gesegelt sind und nicht gleich zu Anfang alle Pläne über den Haufen schmeißen wollen, haben wir unseren Plan geändert und laufen heute direkt Richtung Levita aus. Der Besuch von Leros muss auf einen späteren Törn verschoben werden.Die Wettervorhersage sieht gut aus, für 10:00 sind 5 Bft N bei 1,2m Welle angesagt.Das Ablegemanöver um 8:45 wird problematisch, wir haben die Kette des Nachbarn geangelt. Normalerweise sollte dies kein Problem darstellen, solche Situationen konnten wir schon des öfteren üben. Leichter gesagt wie getan, es liegt ja alles schon ein Jahr zurück. Rolf als Mann der Tat löst das Problem mit Muskelkraft und dem Bootshacken. Anker frei, hurra, aber wo ist der vordere Teil des Bootshackens. Er hat die Attacke nicht überstanden und verschwand in den Weiten des Meeres.Nach dem Auslaufen aus der Bucht gehen die Probleme weiter! Das Großsegel klemmt beim setzten und nur mit vereinten Kräften bekommen wir es frei. Da müssen wir beim einrollen wohl mehr Sorgfalt walten lassen um Falten zu vermeiden.

Ankerbucht Levitha
Ankerbucht Levitha

Bei halbem, stetig stärker werdendem Wind von 4 bis 5 Bft aus N bis NW laufen wir, alle mit Lifebelt gesichert, mit 7 Kn Richtung Levitha. Im laufe des Tages frischt der Wind weiter auf und wir reffen die Segel. Die Yacht hatte davor bei unserem Kurs hart am Wind bereits angefangen stark luvgierig zu reagieren. Zusammen mit einer starken Kränkung ist dies für unsere zwei Landratten ein mulmiges Gefühl. Nach dem Reffen lag das Schiff dann wieder ruhig am Ruder, doch oh Schreck, schon wieder ein Problem! Die Scheuerleiste an Steuerbord hat sich gelöst und hängt nur noch an einer Stelle fest, in unserem Kielwasser. Nach einem Beidreher können wir mit einer Hilfsleine die Leiste vorerst fixieren. Rolfs „Werkzeug“ bringt später Abhilfe. Er hämmert sie mit seiner Faust wieder in die Verankerung. Uns ist aber sofort klar, dies ist nur eine Notlösung. Da werden wir im nächsten Hafen nach einer dauerhaften Lösung suchen müssen.Das Segel bergen bei 7 Bft und starker Welle wird zur nassen Angelegenheit. Unter Motor laufen wir danach um 15:45 gegen die Welle in die Bucht von Levitha ein. Alle sind geduscht.In der Bucht stehen 10 Bojen zur Verfügung, welche der dortige Fischer gegen eine Gebühr von 7€ vermietet. Er kommt später mit dem Boot vorbei und nimmt gleichzeitig auch Reservierungen für die Taverne auf. Da der Fisch wie überall nur beschränkt zur Verfügung steht, muss man diesen am besten gleich vorbestellen.Unser Anlegen an der ausliegenden Boje ist ohne Bootshacken eine etwas diffizile Angelegenheit! Mit Schrubber können wir mit etwas Geduld die Leine angeln, da muss möglichst bald eine andere Lösung her.Beim Segel bergen hatten wir schon bemerkt, das sich wieder eine Falte gebildet hatte, das Problem galt es nun zu lösen. Wie bereits am Morgen, war das Rollgross total verklemmt. Mühsam bekommen wir es wieder frei und stellen fest, das der Baum ca. 15 cm hoch muss. Mit dieser Maßnahme und als zusätzliche Vorsichtmaßnahme, das Segel nicht komplett einzurollen, hatten wir später keine Probleme mehr. Des Weiteren hatte es sich als wertvoll herausgestellt, sich nochmals im Detail mit der Technik des Rollgross zu beschäftigen. Die richtige Leinenführung beim Einrollen muss beherrscht werden.Mit dem Dingi schicken wir eine Vorhut zur Taverne, um zu erkunden ob dort ein Fernseher zur Verfügung steht. Das WM Spiel Deutschland gegen Argentinien steht auf dem Plan. Um dieses Spiel nicht zu verpassen, sind wir extra früh ausgelaufen. Da Rolf und Eberhard unsere Kundschafter nach mehr als 30 min noch nicht zurück sind, schwant uns bereits Böses. Ja es gibt einen Fernseher auf der Insel, jedoch ist die Stromversorgung bestehend aus Solarstrom und kleinem Generator mit Windrädern, zur Zeit nicht ausreichend. Das Spiel wird wohl ohne unsere Fangemeinde stattfinden.Das spätere Übersetzen zum Landgang übernehme erstmals ich, dazu muss ich mich mit den Tücken des Außenborders auseinander setzten. Bei Standgas geht er aus, d.h. immer 20-30% Gas und dann den Gang einlegen, eine nicht so einfache Angelegenheit. Die Überfahrt der ersten Passagiere im Zickzackkurs geht noch gut, aber beim Ablegen am Steg werden die Seeigel abrasiert.Zur Taverne sind es etwa 10 Minuten. Oberhalb vom Steg führt ein mit dicken Felsbrocken versetzter Weg den Hang hinauf. Bei Tageslicht kein Problem, jedoch sollte man für den Rückweg auf keinen Fall die Taschenlampe vergessen. Das Essen ist auf wenige aber ausgezeichnete Gerichte reduziert. Spezialität ist Ziege und eingelegte Zucchini. Der Fisch ist wie überall recht teuer. Man sollte, um vor Überraschungen gefeit zu sein, den Kilopreis (30-40€) erfragen und den Fisch am Tisch abwiegen lassen. Überraschend war für uns auch, das wir an diesem abgeschiedenen Fleckchen Erde einen hervorragenden Weiswein zu einem angenehmen Preis kredenzt bekamen.Als Zwischengericht konnten wir immer wieder an dem WM Spiel Deutschland gegen Argentinien teilhaben, ein Familienmitglied der Fischer- und Bauersfamilie informierte uns über die Bruchstücke, welche er im Fernsehen aufschnappte. Uns ist bis heute nicht klar, ob es an seinem mangelhaften Englisch lag oder ob er sich einen Spaß mit uns machen wollte! Auf jeden Fall hatte in Levitha Deutschland verloren, ein Grund mehr für uns dieses traurige Ergebnis herunterzuspülen. Da im Großraum Levitha auch keine Netzabdeckung für Handys ist haben wir dann erst am nächsten Tag in Amorgos, als wir uns wieder zu Hause melden konnten erfahren, dass die Welt aus deutschen Fansicht noch i.O ist, Deutschland war weiter.Rolf ging wohl immer noch der Verlust des Bootshackens durch den Kopf, er verschwand für eine Weile, um mit dem Fischer in seiner Kruschtkiste zu kramen. Als Ergebnis konnte er uns einen verrosteten alten Schäckel präsentieren. Jetzt war nur noch unser Erfindungsreichtum gefordert. Aus Besenstiel, Teilen des Paddels, Schäckel und Leinen wurde später ein etwas eigenartig anmutender „Bootshacken“ gebastelt. Auf jeden Fall eine bessere Lösung wie nichts!Die abendliche Rückfahrt zum Schiff reduzieren wir auf eine Fahrt, d.h. 4 Mann im Minidingi. Im Fahrbetrieb kein Problem, beim starten des Außenborders wird meine kräftige Ausholbewegung für Rolf zum Verhängnis, der Ellbogen passt optimal aufs Auge. Besser hätte Klitschko seinen Gegner nicht ko schlagen können. Das Feilchen ziert Rolf als tapferen Krieger nun den Rest des Törns. Das Dosenbier nicht nur zum trinken gut ist, sondern auch zur Kühlung des angeschwollenen Auges hätte Rolf sicher vorher nie gedacht.

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