Amorgos -Kloster Chozoviotissa

Amorgos Inselerkundung

Wie vorhergesagt, hat sich das Wetter über Nacht weiter verschlechtert. Kräftiger Schwell steht in der Bucht, 7 bis 8 Bft werden von mir geschätzt.Da das Schiff bestens gesichert ist und mein französischer Nachbar an Steuerbord, ohne Herausreisen meines Ankers den Hafen verlassen hat, beschließe ich die Inselerkundung fortzusetzen. Bei Thomas erhalte ich nach ausgiebigem Feilschen ein Quad zum Vorzugspreis von 15€ /Tag.

Kloster Chozoviotissa

Amorgos -Kloster Chozoviotissa
Amorgos -Kloster Chozoviotissa

Der zweite Besuch beim Kloster Chozoviotissa ist diesmal besser vorbereitet. Eine lange Hose im Gepäck mache ich mich an den Aufstieg an der Steilwand entlang. Diesmal lässt mich der Wärter durch den schmalen, extrem niedrigen Eingang herein. Über steile Treppen erreiche ich die kleine, reich geschmückte Kirche. Früher haben hier bis zu 30 Mönche gelebt, heute sind es nur noch einige wenige. Die meisten haben sich nach Athos zurückgezogen.  Die Mönche sind sehr zuvorkommend und freuen sich über jede Frage, natürlich sind Spenden gerne gesehen. Interessierten Besuchern steht auch ein kleines Buch –Das Kloster der Panagia Chozoviotissa auf Amorgos- in deutscher Sprache zur Verfügung. Zum Abschluss wird ein im Kloster hergestellter Kräuterschnaps, zusammen mit Wasser und einer süßen Leckerei, gereicht. Von der Plattform unterhalb des Glockenturms ist der Ausblick auf das 300 m tiefer gelegene Meer fantastisch. In der Tiefe ist bereits Agia Anna zu sehen, mein nächstes Ziel.

Agia Anna

erreicht man vom Parkplatz des Kloster immer bergabwärts der kurvigen Strasse folgend, bis zu den zwei kleinen Kiesbuchten. Das letzte Stück vom Parkplatz, mit seinem nicht sehr einladenden Kiosk, geht es über felsiges Gelände hinab zum beliebten Strand. Szenen des Films „Im Rausch der Tiefe“ wurden hier gedreht. Mächtige Steinplatten laden zum sonnen ein.Auf der Weiterfahrt über den Höhenzug, in Richtung der südwestlich gelegenen Bergdörfer, bekommt man an diesem Tag die Naturgewalten deutlich zu spüren. Auf dem Höhenkamm ist ein sicherer Stand kaum möglich. Der Wind peitscht einem den Sand ins Gesicht und jeden Augenblick muss man damit rechnen von der Strasse geweht zu werden. Mit meinem Quad habe ich noch Glück. Das bevorzugte Mietfahrzeug, der Roller, ist bei diesem Wetter ein gefährliches Unterfangen. Leider musste ich mit ansehen wie ein Paar mit seinem Roller von der Strasse gefegt wurde und mit kräftigen Blessuren im Strassengraben landete. Der Roller war hin und die Hautabschürfungen und blauen Flecken werden sicher noch lange an stürmische Tage in Amorgos erinnern. Später wurde die Vermietung von Rollern aus Sicherheitsgründen eingestellt.Der Blick aufs Wasser ist stark eingeschränkt und die starke Gischt trübt den Ausblick, ein sicheres Zeichen für 8 bis 9 Bft. Die Fähre hat den Betrieb wie vorhergesagt eingestellt, auch dies ein klarer Index für einen Sturm. Der Fährvertrag für die Linie der – Small Cyclades – schreibt einen Fährbetrieb bei Windstärken bis zu 8 Bft vor! Ob dies noch ein Vergnügen ist, ist fraglich, aber ein klares Indiz für die in den Sommermonaten oft vorherrschenden Meltemiwinde.Auf der Route über den Höhenzug in Richtung Kamari zweigt rechts ein Weg zur kleinen, einsam gelegenen Kirche Agios Georgios ab. Der Zwischenstopp führt mich in eine idyllisch gelegen Gartenanlage. Unter schattenspendenden Sträuchern erhole ich mich in diesem windgeschützten Seitental von der doch recht anstrengenden Fahrt über die sturmgepeitschten Hänge.

Beach von Kamari

 

Kurz vor Kamari führt links ein Schotterweg hinunter zur Beach von Kamari. Vor der Taverne mit Cafebar parken die Besucher dieses abseits gelegenen Strandes. Der rechts verlaufende Weg führt zu dem populären, aber auch belebteren Strand. Folgt man dagegen dem Weg links an der Taverne vorbei über einen schmalen Pfad die Küste hinunter zu dem dortigen Kieselstrand, so finden sich nur vereinzelte Nudisten, welche hinter großen Felsen vor dem Wind Schutz suchen. Das Wasser ist kristallklar und die Unterwasserwelt hält für Schnorchler einige Überraschungen bereit.Der Besuch der Kaffeebar mit seiner hoch über der Bucht gelegenen Terrasse gehört für Genießer zu einem absoluten Muss! Der Blick in die Bucht, zu den dort vereinzelt ankernden Yachten, gerahmt von der Blütenpracht der Buganvillen, zusammen mit einem kühlen Gläschen Wein, wird sich im Langzeitspeicher einen festen Platz erobern.Der Sturm und der Blick auf das tobende Meer wecken in mir eine innere Unruhe. Die Sorge um die Sicherheit des Schiffes führen mich deshalb zwecks Kontrolle zurück aufs Boot. Die Erkundung dieses Teils der Insel werde ich wohl später fortsetzten müssen.Der Steuerbord Liegeplatz ist wieder belegt, es gibt wohl bei jedem Wind Segler, auch auf Charterbooten. Wie gehabt, hat auch dieser seinen Anker über meinen gelegt, also gleiches Spiel wie mit dem Vorgänger. Zusätzlich hat er seine Vorspring so ungeschickt gelegt, so das sie an meinen Festmacherleinen scheuern. Nur ein kleines Problem, welches schnell behoben werden kann.Trotz des schweren Wetters können es einige Segler nicht lassen! Gegen 20:00 läuft eine 44er Bavaria unter griechischer Flagge ein. Die Yacht will an der äußeren Backbordseite, wo die Spring des Päckchens am Poller festgemacht ist, anlegen. Verständlich, das unser äußerstes Backbordschiff etwas dagegen hat. Der Zug von 4 Schiffen liegt auf dieser Leine. Auch der Hafenmeister akzeptiert die Absicht nicht, da an dieser Stelle das Taxiboot zum Badestrand festmacht.Es entwickelt sich eine lautstarke Diskussion zwischen Skipper und Hafenmeister. Ergebnis ist, dass das Schiff über Nacht am nördlichen Fähranleger festmacht.Unverständlich für uns war nur die Argumentation des griechischen Skippers –als Grieche müsste er Vorrang im griechischen Hafen haben! Der Skipper war mit den Nerven ziemlich fertig. Er und sein Co-Skipper waren mit mehren Jugendlichen auf dem Schiff zur Ausbildung und an dem Tag über 9 Stunden auf See. Unverständlich ist nur wie man bei Vorhersagen von 8 Bft auslaufen kann! Das Ergebnis war: Vorsegel zerrissen, Steueranlage beschädigt und alle mit den Nerven fertig. Wie ich später erfahre, ist er zwar ein Topsegler mit Olympiaerfahrung, an seinem Verantwortungsbewusstsein muss man aber zweifeln.Bei kühlem und frischem Wind werden alle Lucken geschlossen, selbst der Besuch einer Taverne muss an deren Windschutz orientiert werden. Auch im Sommer ist es heute ohne Windjacke nicht auszuhalten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*