Folegandros
Die Insel ist ganze 32 Quadratkilometer groß und hat nur 650 Einwohner. Es gibt keine Bank, keinen Flughafen, keinen Swimmingpool, kaum eine Bar und keinen Krach. Selbst in der Hochsaison, wenn deutlich mehr Touristen anreisen, bleibt es beschaulich und ruhig.
Eine kleine, steinige Insel zwischen Sikinos und Milos, deren Landschaftsbild – mit dem Wechsel zwischen karger Unfruchtbarkeit, gigantischen Felsformationen und sandigen Buchten – durchaus etwas Reizvolles hat.

Oberhalb von Karavostásis, dem malerischen Hafen, liegt auf einer Hochfläche der Hauptort Chóra. Er besteht aus zwei Ortsteilen: im mittelalterlichen Teil um das Kástro (Burg) sind die Häuser wie auch auf einigen anderen Kykladeninseln so aneinandergebaut, dass sie nach außen hin eine Wehrmauer bilden. Über einem Teil der antiken Stadtmauer wurde die schönste Kirche der Insel, die Panagía errichtet.
Die Chrissospilia- Höhle etwas weiter nördlich, in der antike Objekte gefunden wurden, ist mit ihren Stalagmiten und Stalaktiten ein lohnendes Ausflugsziel, ebenso wie die kleinen umeinander gescharten Siedlungen von Ano Meriá, wo am 27.Juli zu Ehren des Heiligen Panteleimon ein buntes Volksfest gefeiert wird. Hier gibt es auch ein Ökologisch-Volkskundliches Museum, in dem rekonstruiert wird, wie die Menschen auf dem Lande leben und gelebt haben.
Folégandros die Karge
Die Wände sind eineinhalb Meter dick und die Decken mit Balken verstärkt. Direkt unter uns fällt die Erde 150 Meter senkrecht ins Meer ab. Unten branden die Wellen gegen die Klippen, und der Nordwind pfeift mich bei geöffnetem Fenster fast aus dem Zimmer der alten Festung. Wohnen am Rande des Abgrundes Folégandros wird auch die Eisenharte« genannt; wie ein unbezwingbarer Fels ragt sie aus dem Meer wild, spektakulär, einsam, schön und karg.
Auf der Insel stehen mehr Kapellen als Olivenbäume. Die wenigen Schattenspender kennt man bald. Den ausladenden Essigbaum zum Beispiel am Dorfeingang der Chóra. Unter seiner Krone treffe ich Dimitri, den alten Korbflechter; er streicht den Bast glatt und flickt die Stühle der winzigen Taverne. Morgens, wenn ich bei Sofia griechischen Joghurt kaufe, sitzt er schon da; abends um zehn, wenn ich aus der Taverne komme, ist er der Letzte auf dem Platz. Vor den verwinkelten Treppenstufen und den wuchernden Bongainvilleen tratschen die alten Frauen, wie freundliche Raben hocken sie auf Dimitris Stühlen, alle ganz in Schwarz. Nicken mit dem Kopf, wenn sie grüßen, und die Runzeln zerfließen zu einem strahlenden Lächeln. « Wie geht es dir?« Durch die gesäumten Spitzenvorhänge sehe ich die Altäre in ihren Wohnzimmern im Kerzenlicht flimmern, fast überall faltet eine Maria die Hände oder ein heiliger Nikolaus schlägt die Bibel auf.
Am Sonntagmorgen dröhnt der tiefe Bass von Vangelis aus der Kapelle über den menschenleeren Platz, und der Priester in seiner schwarzen Kutte mit dem langen, schwarzen Bart predigt, als gäbe es da auf Folégandros noch eine Welt, die bekehrt werden müsste. Oben, in der weiß schimmernden Panagía – Kirche, atemberaubend nah am Steilhang gebaut, ruht die silberne Ikone der Jungfrau Maria. Einmal im Jahr, zu Ostern, wird sie aus dem Allerheiligsten geholt. Alle Häuser sind dann frisch weiß getüncht, die Fensterläden strahlen mit dem Meer um die Wette um das tiefste Tintenblau, und die silberne Ikone wird auf Blumen gebettet über die Insel getragen. Die einzige geteerte Straße en4ang bis zu den Bauernhäusern von Ano Meriá, wieder zurück in die Chóra und hinunter zum Hafen, von Haus zu Haus, von Boot zu Boot. Bis jeder Fischermann und jeder Bauer seinen Segen erhalten hat. »Das ist kein Touristenspektakel», warnt Maria, unsere Gastwirtin, »sondern unser Brauch und unser höchstes Kirchenfest. Fremde stören da nur»
Das alte Fort, das Kástro, hat den Piraten widerstanden, auch türkischen Eindringlingen, da wird es wohl auch diesen mittleren Sturm überleben, der jeden Sommer zur Hochsaison in Form von mehreren tausend Besuchern über die Insel hereinbricht. »Es ist einzig uns Inselbewohnern zu verdanken», zitiert Maria mit einem charmanten Lächeln einen im Dorf oft gehörten Spruch, »dass das Kastro nicht dieser Armee, der größten aller Zeiten, zum Opfer gefallen ist.» Für eine Wirtin ganz schön direkt. Auf Folégandros sind die Leute so freundlich wie nirgendwo, aber nur zu denen, die auch ihnen Respekt entgegenbringen. Wenn wirklich Reisende an solchen Festtagen zu forsch und laut durch das Dorf spazieren, wird ihnen kurzerhand klargemacht, dass man lieber unter sich sein möchte. »Da greifen wir», sagt Maria, scherzhaft im Ton, aber ernst in der Sache, »zu den gleichen Mitteln wie unsere Vorfahren.» Keine Taverne, kein Minimarkt, kein Kafeníon hat geöffnet. »Die Belagerer werden einfach ausgehungert.»
Essen und Trinken
Piatsa Restaurant am zweiten, kleineren Hauptplatz der Chöra. Man sitzt an netten Tischen unter Tamarisken. Gute Vorspeisen wie gefüllte Zucchini und ein exzellentes Lamm aus dem Ofen. Bola’s, etwas abseits der Hauptplätze auf dem Weg zur Post Es gibt keine Speisekarte, Bola kommt an den Tisch und zählt die fünf Gerichte aut die seine Mama und seine Frau nach alten Familien-rezepten kochen. Alles, was auf den Tisch kommt, ist aus lokalem Anbau und schmeckt entsprechend frisLh. Bolas Spezialität sind Kichererbsen (mit Zwiebeln im Ofen geschmort) und handgemachte Pasta in Tomatensauce, die sein Cousin jeden Tag frisch zubereitet. ToKellan, am Ortseingang der Chöra.
In dieser Weinkneipe mit den grob behauenen Steinwänden kann
man gar nicht anders, als sich abends näher zu kommen – die Kneipe ist gerade mal handtuch-breit, der Wein einfach, die Stimmung klasse.
Strände
Bis auf den Angáli Strand und den kleinen Hafenstrand sind fast alle anderen nur per Fußmarsch oder per Boot erreichbar. Eigentlich sollten alle Spaziergänge zum Strand nur etwa eine Stunde dauern – da sich die Pfade jedoch immer wieder in Ziegengattern verlieren, wird aus einem Strandgang leicht eine längere Wanderung.
Angáli, in der Mitte der Westküste, von der Hauptstraße Richtung Norden zweigt die Strasse zum Strand ab, zu erreichen z.B. mit dem Bus bis Ana Meriá, dann zu Fuß weiter bei den Windmühlen links abbiegen. Klein, sandig, einige Tavernen, klares Wasser. Im Sommer sehr voll.
Ágios Nikólaos, 15 Minuten vom Angáli -Strand. Schöner Kiesstrand; benannt nach der winzigen Kapelle, die hier steht. Essen kann man oben am Hang in einer Taverne. Manchmal recht voll mit Tagesausflüglern.
Ágios Geòrgios, an der äußersten Nordspitze, der Weg beginnt kurz vor Ende der Asphaltstraße in Ano Meriá bei der Taverne Sinantisis, wo auch der Bus hält. Blitzweißer Kiesstrand, oft sehr windig, ein paar Olivenbäume spenden Schatten.
Ausflüge
Rundtaur mit dem Boot, zu buchen bei »DiapIous~~ (siehe Auskunft) pro Person 40 DM inklusive Lunch auf dem Boot. Die meisten Attraktionen erreicht man nur vom Wasser aus. Zum Beispiel die ChrisospiIiä-Höhlen in der Küsten-Steil-wand. Hier versteckten die Dorfbewohner früher ihre Schätze und sich selbst vorden Seeräubern.Vergebens: Die Piraten kamen und richteten ein Blutbad an. Noch heute finden Archäologen dort Kirchenschätze und Skelette. Dieses Jahr soll die Höhle vermutlich zum ersten Mal für Touristen freigegeben werden. Wer Glück hat, entdeckt unterhalb der Höhlen sogar Seehunde.
Infos
Anreise: Im Sommer starten jede Woche fünf Fähren von Piräus (9 bis 10 Stunden), Íos, Santoríni und Síkinos. Mehrmals wöchentlich fahren Schiffe von Páros, Mílos, Sífnos, Sérifos und Náxos. In der Nebensaison ist Folégandros nur zwei- bis dreimal wöchentlich zu erreichen, und bei Sturm kann die Insel tagelang von der Außenwelt abgeschnitten sein. Genaue Fahrpläne bei Diaplous Tourism auf Folégandros.
Mobil auf der Insel: Leihwagen gibt es nicht, aber in der Chóra zwei Moped-Vermieter und ein Taxi, das nicht immer kommt, wenn man es ruft. Die lokalen Busse verkehren ständig zwischen Angáli, Chóra und Ano Meriá. Im Sommer pendeln Boote zwischen dem Hafenort Karavostásis und den kleinen Stränden von Angáli, Ágios Nikólaos und Livadáki. Man kann auch ein Taxiboot mieten.
Auskunft: Diaplous Tourism Office, auf dem Weg zur Post, Tel. 4 1158, Fax 4 1159. Wechselt auch Geld, verkauft Bootstickets und gibt Auskunft über die aktuellen Bus- und Fährenpläne. Die jungen Besitzer sind extrem freundlich und hilfsbereit.
Maraki Travel, gleich am Ortseingang der Chóra, Tel. 4 1273. Verlassen Sie sich nicht auf die mit Kreide beschriebene Auskunftstafel vor der Tür; gehen Sie lieber rein. Die Angebote und Fährverbindungen wechseln ständig.